Soziokratie: Ein Entscheidungsmodell wird in Kremsmünster erprobt

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Mit Projektgesamtkosten von 1,1 Millionen Euro wurde vom österreichischen Forschungsförderungsfonds das Smart-City-Projekt „SCHALTwerk 2030“ genehmigt. Drei Jahre lang bis 30. Juni 2022 läuft das Regionsprojekt mit Sitz in Kremsmünster. Zur Halbzeit Ende 2020 wurde die erste Bilanz gezogen.

Smart-City-Projekt „SCHALTwerk 2030“-Schwerpunkte:

  • Zukunft: Querdenken (Die Traun4tler Alpenvorland Regionalstrategie)
  • Future Workspace (Die Coworking-Zentrale in Kremsmünster)
  • Local Energy Community (Energie gemeinsam erzeugen und nutzen)
  • Unternehmenspioniere (Aufbau einer Kreislaufwirtschaft-Community)
  • Tauschen- und Teilen-Plattform (Aufbau einer Sharing-Community)
  • Soziokratische Grundlagen (Selbstbestimmte Organisation)

Besonders der letztgenannte hat sich besonders im bisherigen Verlauf des Projekts besonders gut entwickelt.



„Der Gemeinderat hat sich 2019 einstimmig zu dem Smart-City Projekt bekannt, weil wir als Gemeinde immer auf der Suche nach neuen und innovativen Möglichkeiten der Gestaltung unseres Lebensraumes sind. Mit dieser Forschungsinitiative haben wir Zugriff auf die neuesten Trends und Entwicklungen, die wir maßgeschneidert für Kremsmünster und die Region als Pilotprojekte installieren und nutzen können. Die Diskussionen sind intensiv und wir werden in nächster Zeit erste Ergebnisse präsentieren können. Besonders spannend ist dabei die Verwendung der soziokratischen Entscheidungsstrukturen. Am Anfang ist diese Form der Entscheidungsfindung sicher gewöhnungsbedürftig und es bedarf dazu gut ausgebildeter Moderatoren. Gerade bei offenen Entscheidungsfindungen, wie sie in diesem Projekt oft vorkommen, trägt die Soziokratie aber ganz wesentlich zu guten Ergebnissen bei.“

Gerhard Obernberger, Bürgermeister der Marktgemeinde Kremsmünster

 

Soziokratie in Kremsmünster – Der  Kurs

Im SCHALTwerk-Projekt wird die Soziokratie zur Testung der Effektivität einer sozio­kra­tischen Projektsteuerung (Kreisstruktur: siehe Abbildung unten) und zur Unterstützung des Community-Aufbaus durch die Implementierung soziokratischer Rollen, Gesprächsführung und Organisationsprinzipien eingesetzt. Damit sollen die Fähigkeiten zivilgesellschaftlich entstehender „Grass Root-Communities“ (Sharing Community, Co-Working Community, lokale Energiegemeinschaften) ausgebaut und ihr Funktionieren nachhaltig sichergestellt werden.

Ausbildung Curriculum zum/r soziokratischen Gesprächsleiterin

Soziokratische Moderation unterscheidet sich von anderen Moderationsarten und will entsprechend sorgfältig gelernt sein:  Deshalb hat das Projektteam in Kooperation mit dem Soziokratie Zentrum Österreich ein Ausbildungscurriculum für 8 – 10 lokale Berater*innen zur soziokratischen Gesprächsleitung entwickelt und ins Leben gerufen. Die Kosten aller Workshops und Lernkreise (ca. 3.500 EUR pro Person) werden vom SCHALTwerk getragen. Das GL-Diplom kann zum Vorzugs­preis von € 350,- im SoZeÖ absolviert werden.

Seit September 2020 haben sich acht lokale Interessent*innen aus dem nahen Umkreis von Kremsmünster auf den Weg gemacht, um mittels Theorie und vielen Praxisübungen im Rahmen des Projektes genug Kompetenzen und Sicherheit zu erwerben. Dadurch sollen nach Projektende Juli 2022 die lokalen Energy, Sharing und Coworking Communities aktiv weiter betreut werden können. Mit Hilfe der weiterlaufenden Begleitung sollen alle Projektergebnisse in der Region auch mittel- und langfristig nachhaltig verankert werden.

Das Angebot hat in der Region wirklich „eingeschlagen“: ohne viel Werbung betreiben zu müssen, erkundigen sich immer mehr Interessent*innen nach der Ausbildung. Der Zugang ist bis Jänner 2021 limitiert, um den Teilnehmer*innen des Curriculums genügend Übungszeit zu verschaffen.

Besonders die lokale EPU-Beraterszene und Menschen, die schon immer in das Beratungsgeschäft einsteigen wollten haben gut auf das Angebot reagiert, welches auch eine individuelle Ersparnis von ca. 3500 EUR pro Person beinhaltet. Einige der Berater sind bereits jetzt in regionalen Sharing Communities aktiv oder an „New Work“-Prinzipien und ihrer Umsetzung in regionalen Coworking Communities wie dem Coworking Space EINS in Kremsmünster interessiert.  Damit sind die Ausbildungsteilnehmer*innen zugleich auch eine wertvolle Verstärkung der durch die SCHALTwerk-Arbeitskreise initiierten oder unterstützten Initiativen.

In einem ersten Schritt haben die bereits im Herbst durchgeführten Seminare „Einführung in die Soziokratie“ und „Soziokratische Gesprächsleitung“ erste Werkzeuge in die Hand gegeben und den Großteil aller Interessent*innen miteinander vernetzt sowie deren Selbstorganisation gestärkt: Auf Eigeninitiative der künftigen SKM-Moderatorengruppe findet noch im Dezember ein SCHALTwerk Online-Open-House-Meeting statt, um sich in nähere Projektdetails „einweihen“ zu lassen. Das offizielle WELCOME im Projekt hat im Rahmen des letzten SCHALTwerk Leitungskreises im November bereits stattgefunden. Hier konnten sich die Arbeitskreisleiter*innen und die künftigen SKM-Moderator*innen persönlich online kennenlernen konnten.

Für die zweiten Start-Seminare im Jänner gibt es wieder bereits Interessent*innen, welche im Frühjahr 2021 die Gruppe der SKM Ausbildungsteilnehmer*innen komplettieren und die Gruppe abschließen werden.

 

Das Ausbildungscurriculum zur SKM Gesprächsleitung selber bietet mit seinen sieben Schritten einen guten Mix aus Theorie und Praxis mit Schwerpunkt auf Üben und Anwenden des Gelernten innerhalb der bereits erwähnten acht SCHALTwerk Arbeitskreise. Dabei stellt die Reflexion der konkreten Umsetzungserfahrungen die Basis für das Zertifizierungsgespräch im/mit dem Soziokratie Zentrum Österreich dar. Alle Seminare und Arbeitskreise finden im Rathaus Kremsmünster oder – aufgrund von COVID – online statt.

Die sieben konkreten Ausbildungsschritte sind:

1

Soziokratie & soziokratische Gesprächsleitung (Seminar 1,5 Tage)

2

Praxis erleben als aktives Mitglied in einem SCHALTwerk Arbeitskreis

3

Soziokratische Zusammenarbeit im Team (Seminar 3 Tage)

4

Praxis: 10 soziokratische Gesprächsleitungen umsetzen und dokumentieren

5

Besuch von mindestens 2 Lernkreis-Treffen beim Soziokratie Zentrum Österreich zum fachlichen Austausch mit angehenden Gesprächsleitern aus anderen Kontexten

6

Intervision: Besuch von mindestens zwei SCHALTwerk-Intervisionstreffen

7

Bericht verfassen und Abschlussgespräch zur Erlangung des soziokratischen GL Diploms („360°-Entwicklungsgespräch“)

Die Kosten für das Gesprächsleiter-Diplom liegen momentan bei € 350,- (SoZeÖ).

Nähere Informationen dazu erhalten Sie bei Bedarf von Dr. Doris Wilhelmer; Email: doris.wilhelmer@ait.ac.at; Mobile: +43 664 6207668


„Für mich persönlich ist die Ausbildung zur soziokratischen Gesprächsleiterin eine wirklich gute Möglichkeit, meinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn zu entsprechen.

Die Mitsprache jeder/s Einzelnen finde ich ganz großartig. Es ist ein sehr sozialer Weg, wieder zu erlernen, seine Meinung kund zu tun und den Sinn dieser Kundmachung zu erkennen. Die Kolleg*innen in den Modulen sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, und es haben alle sehr unterschiedliches Wissen. Das erweitert unseren Horizont sehr und macht Gespräche fruchtbar.

Vorteilhaft für das Projekt ist, dass die Mitglieder der Kreise sowohl regional als auch überregional denken und Ideen einbringen. Ein guter Mix ist natürlich die beste Mischung an Energie und Ideen.“

Michaela Zenker, Kremsmünster, Teilnehmerin des Soziokratie-Kurses

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