„Schaltwerk 2030 – das regionale Smart-City-Projekt in der Region um Kremsmünster“

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Interview mit DIin Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds

Frau Vogel, Sie stehen als Geschäftsführerin und Person für alle Maßnahmen des Klima- und Energiefonds in Richtung Energiewende. Wofür steht dieser Fonds?

Wir wollen die Energie- und Mobilitätswende in Österreich vorantreiben, aber auch Bewusstsein für diese Themen in der Öffentlichkeit schaffen. Die Förderangebote des Klima- und Energiefonds verbinden Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und bauen Brücken direkt zu den Menschen vor Ort: in Städten, Regionen und Gemeinden. Innovative Lösungen und Technologien aus Österreich finden so rasch ihren Weg in den heimischen und oft auch internationalen Markt.

 

Welchen Stellenwert nimmt hier die Smart Cities Initiative ein? Was ist das Besondere, das Ihnen dabei am Herzen liegt?

Wir haben sehr früh erkannt, dass Österreichs Städte und Gemeinden wichtige Partner für die Transformation im Sinne des Klimaschutzes sind. Eine smarte Stadt verschreibt sich dem Konzept der Nachhaltigkeit und bekämpft aktiv negative Klimawandelfolgen. Sie wendet für die Energie- und Mobilitätswende innovative Beteiligungs- bzw. Geschäftsmodelle an. Dafür wollen wir ein differenziertes und vor allem zielgruppenorientiertes Förder- und Finanzierungsangebot machen. Nicht zuletzt leiten uns die Bedarfe der Städte bei der jährlichen Ausgestaltung der thematischen Schwerpunkte.

 

Ein Gelingensfaktor ist aber auch die Verbreitung des Wissens aus den Projekten Richtung Bevölkerung und Entscheidungsträger*innen – daher bemüht sich das Smart Cities Team sehr aktiv um Wissenstransfer und bietet regelmäßig Netzwerkaktivitäten an.

 

Auch wichtig ist mir, dass wir von der Theorie in die Praxis kommen. Bisher wurden rund 150 Stadtprojekte vom Klima- und Energiefonds gefördert. Die Ergebnisse können sich sehen lassen – im wahrsten Sinne des Wortes, denn es gibt schon zahlreiche Umsetzungen, die in der realen Stadt sichtbar, erlebbar – und damit multiplizierbar sind. Damit stärken wir nicht zuletzt die Innovationskraft heimischer Unternehmen und die nachhaltige Nutzung regionaler Ressourcen.

 

Wir kommen jetzt zum Smart City Demoprojekt SCHALTwerk 2030: Was ist das Besondere an diesem Forschungsprojekt?

In Kremsmünster soll ein überregionaler Knotenpunkt für zukunftsorientiertes, gemeinschaftliches Arbeiten in einem erneuerbaren und ressourcenschonenden Umfeld geschaffen werden. Die Marktgemeinde steht geschlossen hinter den Initiativen zur Umsetzung einer postfossilen Zero-Emission-Stadt und hat sich für eine Kleinstadt mit knapp 6.700 Einwohner*innen ehrgeizige Ziele gesetzt. Dabei setzt man auf regionale Vernetzung: Bürger*innen, Unternehmen, Bildungsorganisationen und regionale Initiativen aus den 21 Gemeinden der Leader-Region Traunviertler Alpenvorland arbeiten gemeinsam an greifbaren Visionen, Szenarien und Aktionen für ein „nachhaltiges Arbeiten und Leben im Jahr 2050“.  Dieses Vorgehen stärkt alle Beteiligten.

 

Methodisch ist mit Sicherheit die soziokratische Grundausrichtung und Arbeitsweise eine Besonderheit – also eine soziale Innovation: In der SCHALTwerk Kreisorganisation arbeiten Menschen aus dem Projekt und aus der Region auf Augenhöhe zusammen und treffen dabei gemeinsame Konsens-Entscheidungen, die alle Mitglieder ohne schwerwiegenden Einwand mittragen können. Das realisiert das Ziel „Gemeinsamkeit“ im Miteinander Tun und stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Kreismitglieder sowie auch des Projektes in und mit der Region.

 

In welchem Bereich stellt das Projekt für Sie einen Leuchtturm dar?

Seit Juli 2021 regelt das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) u.a. Energiegemeinschaften. Um diese nachhaltig in Österreich zu etablieren, hat das Klimaschutzministerium (BMK) den Klima- und Energiefonds mit dem Aufbau der „Österreichischen Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften“ betraut (siehe dazu auch https://energiegemeinschaften.gv.at).

 

Energiegemeinschaften stellen einen Meilenstein für die österreichische Energiewirtschaft dar: Die Bevölkerung bekommt nun die Gelegenheit, sich zusammenzuschließen, um Energie gemeinsam zu nutzen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: proaktive Teilnahme an der Energiewende, Ausbau von dezentralen Energiesystemen, Genuss wirtschaftlicher Anreize und die Stärkung der regionalen Wertschöpfungskette.

 

In Kremsmünster wurde im Rahmen des Schaltwerk-2030-Projektes die Gründung der ersten Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaft schon lange vorbereitet und kann nun sehr zeitnah erfolgen. Derartige Frontrunner sind wichtig, damit andere Gemeinden nachfolgen und auf den Erfahrungen aufbauen können.

 

Was empfehlen Sie den Gemeinden der Traun4tler Alpenvorland Region mit Blick auf die Unterstützung der Umsetzung der österreichischen Energie-Ziele und des Green Deals der EU?

Ich weiß, dass regionale Gemeinden sich strukturell immer auch in Konkurrenz um limitierte Ressourcen befinden. Umso beachtenswerter finde ich, dass die 21 Gemeinden im Rahmen des SCHALTwerk-Projektes einen Weg gefunden haben, sich gemeinsam über ihre Zukunft auszutauschen. Ich kann Ihnen allen nur herzlich empfehlen, diesen Weg weiter zu gehen!

 

Keiner von uns kann die großen Herausforderungen des Klimawandels, die verstärkt auf uns zukommen, alleine lösen. Das geht nur im Verbund, also mit vereinten Kräften. Nehmen Sie die Chance wahr, selber zum Knotenpunkt künftiger Smart Cities-Projekte zu werden! Nehmen Sie den Faden des Kremsmünster SCHALTwerk-Projektes auf und spinnen Sie ihn mit Ihren Themen weiter – und vor allem in Kooperation mit anderen Gemeinden und der Leader Region. So können Sie für sich als Region einen realen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft mit hoher Lebensqualität für Ihre Bürger*innen leisten.

 

Und auf der Ebene der Bürgerinnen und Bürger?

Vorerst gebührt allen Mitstreitenden ein großer Dank, dass sie den Klimawandel und die Notwendigkeit der Stunde, selber mit anzupacken, trotz Hektik und Stress nicht aus dem Blick verlieren.

 

Es gibt viele kleine Entscheidungen in unserem Alltag, wo wir die notwendige Energiewende ohne großen Zeitaufwand unterstützen können. Das fängt bei unserem Konsum- und Mobilitätsverhalten an, fließt in die Produkte und Dienstleistungen eigener Unternehmen ein und führt bis zum persönlichen Engagement in Forschungsprojekten wie dem SCHALTwerk 2030. Das in diesen zeitlich begrenzten Vorhaben generierte Wissen und die gemachten Erfahrungen helfen dabei, in der Region die Probleme sichtbar zu machen, die dann gemeinsam angepackt und gelöst werden können.

 

Ist das Mitmachen bei einem Forschungsprojekt für Privatpersonen nicht ein großer Zeitaufwand?

Sicher ist es eine längerfristige Entscheidung, aus der eigenen Berufsrolle als Bürgermeister*in, Unternehmer*in, Vereinsvorstand oder besorgte*r Bürger*in heraus in eine Partnerschaft mit einem mehrjährigen Forschungsprojekt zu gehen. Der Alltag hat uns alle im Griff. Vor allem engagierte Jungfamilien und zivilgesellschaftliche Initiativen, die ihre eigene Zukunft und die der Region in die eigenen Hände nehmen wollen, müssen mit ihrer Zeit gut haushalten. Hilfreich ist da meiner Erfahrung nach die ausgezeichnete methodische Kompetenz in den Projekten, die den persönlichen Einsatz durch entsprechende Formate optimiert und auch für Einzelne gut planbar macht. Und das Mitgestalten kann ja auch sehr erfüllend sein!

 

Im Namen des SCHALTwerk Projektes möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen ehrenamtlich mitarbeitenden Menschen bedanken, die den Erfolg dieses Projektes erst möglich machen!

 

Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und dieses Interview!

 

Beim Aufbau der Kreisstruktur wurden folgende Arbeitskreise eingerichtet:

ZUKUNFT 2050
Bürger*innen, Unternehmen, Bildungsorganisationen und regionale Initiativen aus 21 Gemeinden der Leader-Region Traunviertler Alpenvorland arbeiten gemeinsam an greifbaren Visionen, Szenarien und Aktionen für ein „nachhaltiges Arbeiten und Leben im Jahr 2050“. 

COWORKING
Projektpartner und lokale Akteure arbeiten zusammen, um im SCHALTwerk einen modernen, flexiblen und freundlichen Co-Workingspace zu etablieren und „neues Arbeiten“ in der Region zu verankern.

ENERGIE
Der Arbeitskreis arbeitet an der Schaffung der ersten Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaft in Kremsmünster und teilt das erarbeitete Wissen, um weitere Energie-Gemeinschaften in Kremsmünster und Umgebung zu etablieren.

KREISLAUFWIRTSCHAFT
Mit dem Ziel, in Zukunft verstärkt darauf zu achten, den Wert von Produkten, Ressourcen und Stoffen so lange wie möglich zu erhalten und so wenig Abfall wie möglich zu produzieren, wird in diesem Arbeitskreis eine Unternehmenscommunity zum Thema Kreislaufwirtschaft aufgebaut, die gemeinsam Businesspläne erarbeitet.

TAUSCHEN UND TEILEN
Eine verantwortungsvolle Lebensweise braucht ein neues Bewusstsein und ein neues Konsumverhalten. Einen Beitrag dazu leistet dieser Arbeitskreis, der eine virtuelle und soziale Plattform zum Tauschen und Nutzen gebrauchter Dinge anstelle von Konsum in den Fokus stellt und schafft.

SOZIOKRATIE
Der Arbeitskreis hat in Kooperation mit dem Soziokratie Zentrum die Kreisstruktur aufgebaut und widmet sich aktuell der Schulung und Unterstützung aller Mitglieder aus dem Projekt und der Region. Ergänzend dazu werden Wissen und Fertigkeiten über die Ausbildung regionaler SKM Moderator*innen weiter gegeben. 

 
 

Die vier thematischen Säulen des Projektes

Zukunft 2050

Das Besondere an diesem Zukunftsprozess ist, dass er in Kooperation mit der Leader Region „Traun4tler Alpenvorland“ für alle 21 regionalen (Markt-) gemeinden durchgeführt wird. Seine Ergebnisse werden zur Konzentration der Gelder der künftigen Leaderperiode in Richtung der österreichischen Energiewende beitragen. Damit hat das SCHALTwerk Projekt einen hohen Multiplikationseffekt für den Klima- und Energeifonds in der Region erzielt.

CoWorking

Das Besondere möchte ich anhand der außergewöhnlich guten Kooperation zwischen der Marktgemeinde Kremsmünster und dem SCHALTwerk Projekt in Zeiten von COVID-19 beschreiben: Der ursprüngliche Plan des Nutzens des aufgelassenen A1 Gebäudes musste aufgrund widriger Umstände im A1 Konzern fallengelassen werden. Nach Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 wurde auch das Ausweichquartier in der Tuchfabrik wegen der zu erwartenden, hohen Investitionen für die Gemeinden ebenfalls zu riskant. Anstatt das Projekt in dieser unklaren Situation zu beenden war es Kremsmünster ein wirkliches Anliegen, das Projekt selber zu realisieren und einen CoWorkingspace zu gründen. Die Lösung bestand letztendlich darin, dass Kremsmünster den CoWorkings¬pace ins eigene Rathaus „nach Hause“ brachte, wo der Coworkingspace im September 2021 erfolgreich eröffnet werden konnte.

Energie

Eine wesentliche Facette des Projektes ist die Schaffung einer Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaft in Kremsmünster, in der der Austausch erneuerbaren Stromes zwischen den Mitgliedern ohne die Einbindung eines Energieversorgers möglich ist. Rund um das Schaltwerk-Gebäude (Rathaus Kremsmünster) werden interessierte Kremsmünsterer als potenzielle Mitglieder für die Energie-Gemeinschaft zusammengebracht, um gemeinsam an der Energiezukunft von Kremsmünster zu arbeiten. Möglich macht das das kürzlich in Kraft getretene Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG). Das Projekt SchaltWERK 2030 leistet mit der Gründung der Energie-Gemeinschaft und der Verbreitung der „Lessons-Learned“ für weitere Energie-Gemeinschaftsinitiativen in der Region einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Unterstützung der Energiewende in Österreich.

Soziokratie

Das Besondere der soziokratischen Projektkreisstruktur ist ihre für Forschungsprojekte ungewöhnliche Umsetzungsorientierung und Integrationsfähigkeit: In den Arbeitskreisen arbeiten ehrenamtliche Akteure aus der Region neben regionalen Bürgermeister*innen und inhaltlichen Experten aus der Forschung Hand in Hand an gemeinsamen Ergebnissen. Das ermöglicht eine konsequente Ausrichtung auf die Bedarfe und Ziele der regionalen Partner bei gleichzeitigem Sicherstellen der Umsetzung der Projektziele. Nur dieses enge Verweben der Interessen und Ansprüche lokaler „Kunden“ mit den vorgegebenen Projektzielen kann zu Lösungen führen, die einen nachhaltigen Effekt von Lösungen in der Region nach Projektende garantieren.

„Zu Beginn konnte ich das Projekt überhaupt nicht ‚greifen‘. Es war für mich einfach zu abstrakt. Jetzt können wir sehen, wie alles sprießt und sich erste Ergebnisse zeigen. Und das ist einfach schön – zu sehen, wie die einzelnen Aktivitäten ineinandergreifen und alles Schritt für Schritt konkret wird. Im Speziellen freue ich mich auf die Weitergabe des Wissens zu erneuerbaren Energiegemeinschaften, da ich auch in Schlierbach eine E-E-G aufbauen möchte. Schön, dass die Schlierbacher schon im SCHALTwerk Projekt eingefädelt sind! “

K. Seebacher, regionale BGM*in von Schlierbach, die vom Projektbeginn an dabei war, in einem Leitungskreis am 8. Juli 2021

„In den nächsten Wochen und Monaten werden wir die Schritte von der Erhebung der PV-Potenziale bis hin zur Planung und Umsetzung der Energiegemeinschaft gemeinsam und auf Augenhöhe mit unseren Energiegemeinschaftsmitglieder gehen“, freut sich Bürgermeister Gerhard Obernberger

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